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Prinzipiell
ist es also möglich, Gene synthetisch herzustellen. Bedeutet dies,
daß der Forscher auch beliebige biologische Funktionen neu schaffen
kann? Dazu ist zunächst zu sagen, daß wohl die meisten zufällig
zusammengestellten Nukleotigsequenzen keinen biologischen Sinn ergeben.
Außerdem wurde bereits gezeigt, daß biologische Funktion nicht
im leeren Raum definiert werden kann, sondern immer vom Umfeld anderer
Wirkstoffe abhängt, also sinnvoll nur in einer lebenden Zelle studiert
werden kann.
| Fragen wir uns
aber hier, wieviele verschiedenartige Genstrukturen theoretisch möglich
wären. Nehmen wir dazu vereinfachend ein Gen mittlerer Größe
von 1.000 Basenpaaren Länge. Da es 4 verschiedene Bausteine (Nukleotide
im Einzelstrang oder Basenpaare im Doppelstrang) gibt, läßt
sich die mögliche Vielfalt für die lineare Anordnung der 1.000
Bausteine wie folgt berechnen: Anzahl der Permutationen = 41000,
was 10602
Möglichkeiten entspricht (also einer unvorstellbar großen Zahl
von einer 1 gefolgt von 602 Nullen.)... |
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Oft wird angenommen,
in der Natur würden dank spontan eintretender Mutationen immer wieder
die gleichen Genfunktionen neu erprobt. Stimmt dies auch wirklich?
Dazu muß
man sich überlegen, wie lange es dauert, bis 10600
verschiedene Genstrukturen in der Natur auf biologische Funktion hin erprobt
sind. In Kenntnis des ungefähren Volumens der Biosphäre (totales
Volumen der sich auf der Erdoberfläche befindlichen lebenden Zellen)
sowie des mittleren Volumens einer Zelle kann man die ungefähre Anzahl
lebender Zellen auf dem Planeten Erde auf 1030
schätzen. Auf unserem Planeten gibt es Leben seit etwa 3 Milliarden
Jahren, also etwa 1017
Sekunden. Würde nun seit Anbeginn des Lebens jede der 1030
möglichen Zellen in jeder Sekunde eine neue Mutation auf allfällige
Funktion hin erprobt haben, so wären bisher erst 1030
x 1017 = 1047
mögliche Genstrukturen erprobt worden, also bedeutend weniger, als
die berechneten 10602
für ein Gen mittlerer Größe. Dabei ist das Erbgut, wie
schon erwähnt, bedeutend stabiler als hier angenommen.
Dieses erstaunliche
Ergebnis deutet zunächst auf die Einmaligkeit jedes einzelnen Gens
hin und um so mehr auf die genetische Einmaligkeit jedes einzelnen Lebewesens.
...
Aus: „Grundlagen der Gentechnologie",
von
Prof. Werner Arber, Schweizer Microbiologe,
1978 Nobelpreis für Medizin für seine Entdeckungen der sog. Restriktionsenzyme
(Enzyme zur Aufspaltung langer DNA-Ketten). Veröffentlicht in 'Reproduktionsmedizin
und Gentechnolgie - Schezer Experten informieren', Hj. Müller (Hrsg),
Schwabe & Co. AG, Verlag, Basel /Stuttgart, 1987, S. 138ff |